Arjen Robben

Er war der Buhmann und wurde nur ein Jahr später zum Helden. Bayern Münchens ARJEN ROBBEN erfüllte sich mit seinem entscheidenden Tor einen Kindheitstraum, dazu in einem besonderen, weil historischen Endspiel: dem ersten deutschen Duell im Champions-League-Finale. Und dann auch noch in Wembley. Es bringt ihm den schönsten Moment seiner Karriere.

Interview: Marco Fenske

Das ist mein Geheimnis

Herr Robben, egal, gegen wen Sie in der Liga spielen: Sie müssen gewinnen. Macht das überhaupt Spaß?

Ja. Du hast immer Druck, Druck, Druck. Es ärgert mich wahnsinnig, wenn Leute sagen: „Bayern wird eh locker Meister.“ Nein! Wir müssen viel dafür tun. Sehr viel sogar. Wir bekommen nichts geschenkt. Ich liebe Fußball, ich bin verrückt danach. Auch wenn ich auf dem Platz stehe und nach 70 Minuten ausgewechselt werde, bin ich sauer. Das ist normal.

Heute sind Sie Fanliebling, 2012 wurden Sie ausgepfiffen. Die Fans verziehen Ihnen unter anderem den Moment nicht, als Sie im Champions-League-Finale gegen Chelsea beim Elfmeter scheiterten.

Was da passiert ist, werde ich auch nie vergessen. Das war nicht okay. Die Leute, die das gemacht haben, sind keine richtigen Bayern-Fans.

Ein Jahr später folgte die Krönung: Ihr Siegtor zum 2:1 beim Champions-League-Sieg gegen Borussia Dortmund. In dieser Sekunde …

Das war der schönste Moment meiner Karriere. Etwas Besseres gibt es nicht. Davon habe ich als kleiner Junge geträumt. Alle kleinen Jungen träumen davon, ein Champions-League-Finale zu entscheiden.

Der Ball kullerte in Zeitlupentempo ins Tor. Eigentlich machen Sie Ihre Treffer anders  – meist mit immer demselben Trick: Sie ziehen von rechts nach innen und schießen hart mit links. Bei allem Respekt: Warum können das die Verteidiger denn nicht verhindern?

Das ist mein Geheimnis.

Na, kommen Sie …

Ich mache alles intuitiv, wirklich! Manchmal ziehe ich nach innen, manchmal spiele ich aber auch einen Doppelpass oder einen Stichpass. Wenn der Gegner mir Raum über außen lässt, gehe ich rechts vorbei und flanke. Das rechte Bein ist zwar nicht das starke, aber auch da geht was … Für die Gegner ist es sehr schwer, sich darauf einzustellen, weil ich unberechenbar bin.

Sind die Gegner härter geworden?

Manchmal schon. Ich jammere aber nicht. Mein ehemaliger Nationaltrainer Marco van Basten hat mir mal gesagt: „Arjen, du musst Augen im Hinterkopf haben. Du musst einen siebten Sinn dafür entwickeln, wann die Gefahr kommt.“

Was sagt Papa Robben seinem Sohnemann Luka, wenn er sich zweimal hintereinander festdribbelt?

Nichts! Mich stört ganz oft, wenn ich bei den Kleinen zuschaue, wenn ich Eltern sehe, die da rumschreien! Ich muss mich zusammenreißen, dass ich ruhig bleibe. Das geht gar nicht. Das sind Kinder, die musst du Fußball spielen lassen. Die Eltern übertreiben es, die jubeln nach Toren ihrer Kleinen wie nach einem gewonnenen Champions-League-Finale.

Überall Fans, die Autogramme und Fotos wollen – wie sehr strengt das Leben als Superstar an?

Wir spielen Fußball für unsere Fans. Wir haben ihnen alles zu verdanken. Aber: Du hast auch ein privates Leben, da gibt es eine Grenze.

Haben schon mal Fans bei Ihnen zu Hause an der Tür geklingelt?

Ja, auch das. Dann sage ich freundlich: Bis hierhin und nicht weiter. Die meisten Leute verstehen das. Ich bin keiner, der aus Angst zu Hause bleibt. Wenn ich meinem Sohn beim Fußball zuschaue, sind da auch viele Leute. Okay, an einem sonnigen Sonntagnachmittag sollte ich nicht unbedingt in den Tierpark gehen …

Können Sie zu Hause abschalten?

Zu Hause bin ich Papa, kein Fußballspieler. Ganz abschalten kann ich nie. Ich denke an Situationen, an Tore, an Spiele. Nach der Karriere steht die Familie für mich an Nummer eins.

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