Oliver Bierhoff

Es ist der Traum eines jeden Sportlers: mit einer Szene ein Spiel zu entscheiden und damit den ganz großen Titel zu gewinnen. Nationalstürmer OLIVER BIERHOFF erfüllt sich diesen Traum im Finale der Europameisterschaft 1996. Sein Tor in der Verlängerung entscheidet sie. „Golden Goal heißt seitdem Bierhoff“, scherzt der Teammanager des Weltmeisters.

Im Tempel des Fußballs erlebt Oliver Bierhoff den größten Moment seiner Spielerkarriere. Es läuft die 95. Minute des EM-Finales 1996 im Londoner Wembleystadion. Es steht 1:1 zwischen Deutschland und Tschechien. Nach einer eher verunglückten Flanke von Jürgen Klinsmann kommt der Ball zu Bierhoff, als Joker schon Torschütze zum Ausgleichstreffer. Der damalige Mittelstürmer von Udinese Calcio steht mit dem Rücken zum Tor, dreht sich um seinen Gegenspieler Miroslav Kadlec, zieht mit links ab. Der Ball wird leicht abgefälscht, gleitet Torhüter Petr Kouba durch die Hände und trudelt über die Linie. Golden Goal. Spiel vorbei. Deutschland ist Europameister. Bierhoff rennt in Richtung Eckfahne und verschwindet in einem Jubelknäuel. Bundestrainer Berti Vogts macht die Welle mit den deutschen Fans.

Interview: Guido Schäfer

Mein golden goal war eine Explosion der Gefühle

Herr Bierhoff, an einem guten Tag hätte der tschechische Torwart Petr Kouba Ihren Linksschuss womöglich gehalten.

Tor ist Tor, das zählt. Wir haben an diesem Abend viele Menschen glücklich gemacht.

Wie erlebten Sie die Sekunde, als der Ball einschlug?

Mein Tor war eine Explosion der Gefühle. Du bist derjenige, der das entscheidende Tor macht, stehst im Rampenlicht, im Fokus. Und das nicht nur für diesen einen Moment.

Sie haben Ihr Trikot ausgezogen, wie ein Lasso geschwungen und verschwanden in einem Leibergewirr. Wo ist das Trikot?

Nach meinen Erinnerungen habe ich es irgendwann wieder angezogen. Ein solches Trikot liegt jedenfalls bei mir zu Hause. Ich hoffe, es ist das aus dem Finale. Die Endspiel-Schuhe sind im DFB-Museum.

Gab es einen Fußballer Oliver Bierhoff vor dem Golden Goal und einen danach?

Ja. Golden Goal heißt seitdem Bierhoff. (lacht) Es war ja auch das erste bei einer Europameisterschaft.

Mehr als 100 Treffer in der Serie A, 37 Länderspieltore. Sie waren ein Guter, der hierzulande selten so gesehen wurde.

In Deutschland ist man manchmal kritischer mit mir und meinen Leistungen umgegangen, da stimme ich Ihnen zu. Letztlich aber hat sich dadurch vielleicht auch mein Horizont geöffnet; in Italien hatte ich eine unglaublich schöne Zeit als Spieler.

Sie sehen drahtig wie in Ihren goldenen Zeiten beim AC Mailand und der Nationalmannschaft aus. Gute Gene oder Leibesübungen?

Disziplin! Hoch die Tassen und dreimal anstellen am Büfett geht nicht. Ich achte auf Ernährung, Schlaf und Sport, habe auch während meiner Karriere bewusst gelebt. In Italien habe ich früh gelernt, akribisch damit umzugehen.

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